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Mensch und Team

KI im Jahr 2027: Was auf Unternehmen und ihre Teams zukommt

22.10.2026 · 5 Minuten Lesezeit

Von Thomas Kohns und Anthony Steffan

Montagmorgen in einem Unternehmen mit achtzig Beschäftigten. In der Buchhaltung liegen vierzig Eingangsrechnungen, und im Vertriebsinnendienst warten Anfragen auf ein Angebot. Jede dieser Aufgaben folgt einem Ablauf, den die zuständige Kollegin seit Jahren kennt. Aufgeschrieben ist er nirgends.

Genau an dieser Stelle setzen KI-Agenten an. Seit dem Sommer 2026 haben die großen Anbieter Systeme vorgestellt, die eine Aufgabe nicht nur beantworten, sondern selbst in Schritte zerlegen, Programme bedienen und das Ergebnis im Postfach oder im Dokument abliefern. Was dabei herauskommt, prüft am Ende ein Mensch. Was ein Agent ist und wie er arbeitet, steht im Beitrag KI-Agenten erklärt.

Die Frage für 2027 lautet deshalb weniger, ob solche Agenten in die Büros kommen. Sie lautet, wie schnell und in welchen Unternehmen zuerst.

Wo die Unternehmen heute stehen

Der Digitalverband Bitkom hat im Sommer 2026 rund 600 Unternehmen ab 20 Beschäftigten befragt. 57 Prozent setzen KI ein, ein Jahr zuvor waren es 36 Prozent. Bei den Agenten ist der Abstand zwischen Plan und Wirklichkeit noch groß:

KI-Agenten in Unternehmen, 2026

Fehlende Prozent: keine Angabe. Quelle: Bitkom Research im Auftrag des Bitkom, telefonische Befragung von 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten, KW 28 bis 33 2026, veröffentlicht am 14.09.2026

Bemerkenswert ist, wie die Unternehmen ihren eigenen Stand einschätzen. Keines, das KI nutzt, schöpft nach eigener Aussage das Potenzial voll aus, 59 Prozent überhaupt nicht. Zwei Drittel halten die KI-Kompetenz ihrer Belegschaft für gering. Wer KI schon einsetzt, berichtet dagegen zu 66 Prozent von einer besseren Wettbewerbsposition und zu 48 Prozent von deutlich schnelleren Abläufen.

Was die Unternehmen für ihre Belegschaft erwarten

Die Erwartungen sind deutlicher als die bisherigen Daten. Bei Bitkom rechnen 45 Prozent der Unternehmen in den kommenden zwei Jahren mit einem leichten und 12 Prozent mit einem deutlichen Rückgang der Beschäftigtenzahl durch KI. Das ifo Institut hatte schon im Juni 2025 gefragt: Gut ein Viertel der Unternehmen erwartete damals Stellenabbau durch KI innerhalb von fünf Jahren, in der Industrie mehr als ein Drittel. ifo-Präsident Clemens Fuest rechnete damit, dass es noch einige Jahre dauert, bis sich das am Arbeitsmarkt messen lässt.

Gemessen ist bisher wenig. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) findet bis Ende 2025 keinen Einbruch in Berufen, in denen KI viel übernehmen könnte, nur bei Berufseinsteigern ein schwaches Warnsignal. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) kommt im Oktober 2026 zum selben Ergebnis: Beschäftigte mit KI-nahen Tätigkeiten sind nicht häufiger arbeitslos, sie wechseln aber häufiger den Arbeitgeber. Das IW nennt das ausdrücklich keine Entwarnung, weil technischer Wandel oft verzögert wirkt.

Beide Befunde schauen zurück, und die Agenten, um die es 2027 geht, waren in diesen Daten noch nicht im Einsatz. Ob die Erwartungen der Unternehmen eintreten, entscheidet sich also erst in den nächsten Jahren.

Welche Tätigkeiten sich verschieben

International zeichnet sich ein klares Muster ab. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) hat 2025 für fast 30.000 Tätigkeiten bewertet, wie stark generative KI sie berührt. Am stärksten betroffen sind Bürotätigkeiten wie Datenerfassung und Buchhaltung. Weltweit arbeitet ein Viertel der Beschäftigten in Berufen, die KI in Teilen erreicht. Die ILO rechnet überwiegend mit einem Umbau dieser Berufe und betont, dass die Automatisierung im Alltag schwieriger ist, als die Theorie nahelegt.

Eine Studie mit Beteiligung des Kiel Instituts für Weltwirtschaft kommt anhand von Daten aus Dänemark, Portugal und Schweden zu einem ähnlichen Bild: kein messbarer Effekt auf die Gesamtbeschäftigung, aber steigende Anforderungen an die Qualifikation. Büro- und Verwaltungsberufe gehören auch dort zu den Bereichen, in denen KI Stellen ersetzen kann. Handwerk und Pflege sind am wenigsten berührt.

Für ein Unternehmen heißt das: Die Sachbearbeitung bleibt, aber ihr Inhalt ändert sich. Wer heute Rechnungen abtippt, prüft morgen, was der Agent erfasst hat, klärt die Ausnahmen und hält den Kontakt zu Lieferanten.

Warum 2027 ein Wendepunkt werden kann

Drei Entwicklungen treffen zusammen. Die Technik ist nach unserer Einschätzung so weit, dass Agenten mehrstufige Büroaufgaben im Alltag übernehmen können, wenn ein Mensch die Ergebnisse prüft. Die Unternehmen, die KI schon nutzen, berichten von messbarem Nutzen und erhöhen ihre Budgets: 45 Prozent geben 2026 mehr für KI aus als im Vorjahr. Und der Druck wächst, denn 61 Prozent der befragten Unternehmen meinen, wer keine KI einsetzt, habe keine Zukunft.

Wer im internationalen Wettbewerb steht, wird sich an Unternehmen messen lassen müssen, deren Agenten Angebote in Minuten schreiben und Vorgänge rund um die Uhr bearbeiten. Ob ein Unternehmen den Wandel selbst gestaltet oder erst reagiert, wenn Kunden und Mitbewerber es dazu zwingen, macht einen großen Unterschied in Tempo und Kosten.

Was Unternehmen jetzt vorbereiten können

Abläufe aufschreiben. Ein Agent arbeitet nur so gut wie die Beschreibung der Aufgabe. Der Ablauf, den die erfahrene Kollegin im Kopf hat, muss erst in eine Form, die andere nachvollziehen können, samt Ausnahmen und der Frage, wer entscheidet. Das ist zugleich die beste Absicherung, falls sie einmal ausfällt.

Verfahren vereinheitlichen. Wenn drei Kollegen dieselbe Aufgabe auf drei Arten erledigen, weiß auch ein Agent nicht, welche gilt. Einheitliche Vorlagen und Datenfelder sind die Vorarbeit, die sich später auszahlt.

Das Team schulen. 70 Prozent der Unternehmen schulen ihre Beschäftigten im Umgang mit KI bereits, ein Viertel tut es noch gar nicht. Seit Februar 2025 verlangt der AI Act ohnehin, dass alle, die mit KI arbeiten, ausreichend geschult sind. Für 2027 kommt hinzu, Agenten einzurichten, ihnen Rechte zu geben und ihre Ergebnisse zu prüfen. Das lernt niemand nebenbei.

Offen mit dem Team sprechen. Die Sorge um den Arbeitsplatz ist da, auch wenn die Zahlen bisher keinen Einbruch zeigen. Wer früh sagt, welche Aufgaben sich ändern und wie das Unternehmen seine Kolleginnen und Kollegen dabei mitnimmt, gewinnt Vertrauen. Wie dieses Gespräch gelingt, steht im Beitrag KI einführen, ohne das Team zu verlieren.

Und die Kollegin aus der Buchhaltung vom Montagmorgen? Wenn ihr Ablauf aufgeschrieben ist und sie weiß, wie sie einen Agenten anleitet und kontrolliert, wird sie 2027 nicht ersetzt. Sie wird die Person, ohne die der Agent nicht richtig arbeitet.

Häufige Fragen

Ersetzen KI-Agenten 2027 die Büroarbeit?

Ganze Berufe verschwinden nach heutiger Studienlage nicht von einem Jahr aufs andere. Was sich ändert, sind einzelne Tätigkeiten: Daten erfassen oder Unterlagen zusammenstellen. Diese Arbeit können Agenten zunehmend übernehmen. Die Internationale Arbeitsorganisation erwartet deshalb vor allem einen Umbau von Berufen, weniger ihren Wegfall.

Wie viele Unternehmen setzen KI-Agenten schon ein?

Laut Bitkom setzen 11 Prozent der Unternehmen ab 20 Beschäftigten, die sich mit KI befassen, bereits Agenten ein, weitere 29 Prozent planen es. Befragt wurde im Sommer 2026.

Gibt es in Deutschland schon Stellenabbau durch KI?

In den Statistiken bis Ende 2025 nicht in der Breite. IAB und IW finden in KI-nahen Berufen keinen Einbruch. Die Erwartungen der Unternehmen sind aber deutlich: Bei Bitkom rechnen 57 Prozent mit weniger Beschäftigten durch KI in den nächsten zwei Jahren.

Womit sollte ein Unternehmen anfangen?

Mit den eigenen Abläufen. Ein Agent kann nur übernehmen, was beschrieben ist. Wer die wichtigsten Vorgänge aufschreibt, vereinheitlicht und sein Team im Umgang mit KI schult, schafft die Grundlage, auf der Agenten überhaupt arbeiten können.

Quellen

  • Bitkom: Erstmals nutzt die Mehrheit der Unternehmen KI, Presseinformation vom 14.09.2026, Befragung von 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten: bitkom.org
  • ifo Institut: Mehr KI, weniger Jobs? Was Unternehmen in Deutschland erwarten, ifo Schnelldienst digital 8/2025, Juni 2025: ifo.de
  • Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung: KI bisher kein Jobkiller, aber Berufseinsteiger zunehmend betroffen, Presseinformation vom 13.10.2026: iab.de
  • Stefanie Seele: KI-Nähe des Berufs bisher kein Nachteil auf dem Arbeitsmarkt, IW-Kurzbericht 70/2026, 13.10.2026: iwkoeln.de
  • Kiel Institut für Weltwirtschaft: Who is afraid of AI? Who should be?, Pressemitteilung „KI verändert Jobprofile, nicht Beschäftigung“ vom 26.01.2026: kielinstitut.de
  • Internationale Arbeitsorganisation (ILO) und NASK: Generative AI and Jobs: A Refined Global Index of Occupational Exposure, Working Paper 140, 20.05.2025: ilo.org

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