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KI einführen

Lohnt sich KI im Mittelstand? Was die KfW in den Zahlen des Mittelstands findet

26.10.2026 · 4 Minuten Lesezeit

Von Thomas Kohns und Anthony Steffan

Zwei Unternehmen, gleiche Branche, gleiche Größe, beide seit Jahren solide. Das eine hat 2023 angefangen, Angebote und Kundenanfragen mit KI vorzubereiten, das andere wollte erst abwarten. Ein Jahr später sieht man den Unterschied in der Bilanz.

So ungefähr lässt sich zusammenfassen, was die KfW im September 2026 veröffentlicht hat. Ihre Forschungsabteilung hat zum ersten Mal mit den Daten des KfW-Mittelstandspanels untersucht, ob es Unternehmen mit KI messbar besser geht. Gefragt wurde, ob ein Unternehmen zwischen 2022 und 2024 KI genutzt hat. Daneben lagen die Geschäftszahlen von 2024, je nach Kennzahl von 4.400 bis 6.200 Unternehmen.

Damit nicht einfach die Großen gegen die Kleinen verglichen werden, hat die KfW herausgerechnet, was den Erfolg sonst erklären könnte: Größe, Alter, Branche, Rechtsform, Absatzmarkt, Akademikeranteil, Innovationen der letzten drei Jahre und die Bonität, die auch etwas über die Qualität der Führung sagt.

Was übrig bleibt

Ein typisches mittelständisches Unternehmen mit KI kam 2024 auf ein kleines Umsatzplus von 0,4 Prozent. Das vergleichbare Unternehmen ohne KI schrumpfte um rund 0,7 Prozent. Bei der Rendite ist der Abstand noch deutlicher:

Umsatzrendite eines typischen mittelständischen Unternehmens, 2024

Größe, Branche, Alter, Innovationen und Bonität herausgerechnet. Quelle: KfW Research, Fokus Volkswirtschaft Nr. 558 vom 15.09.2026, KfW-Mittelstandspanel, Modellrechnung

Ein Viertel mehr Rendite bei sonst gleichen Voraussetzungen. Dazu kommt die Produktivität: Je Vollzeitkraft setzten KI-Nutzer im Schnitt 230.400 Euro um, die übrigen 222.700 Euro. Das sind rund 7.600 Euro oder 3,4 Prozent mehr.

Wo der Gewinn ankommt

Interessant wird die Studie dort, wo sie nicht nur den Durchschnitt betrachtet. Die KfW hat zusätzlich geprüft, bei welchen Unternehmen der Zusammenhang statistisch gesichert ist, von den schwächsten bis zu den stärksten.

Bei der Produktivität ist das Bild breit. Von den unproduktivsten Unternehmen bis an das obere Viertel heran arbeiten KI-Nutzer messbar produktiver. Ganz oben verschwindet der Effekt, vermutlich weil dort Geschäftsmodelle mit wenig eigener Wertschöpfung stehen, bei denen der Umsatz je Kopf ohnehin hoch ist.

Bei Wachstum und Rendite sieht es anders aus. Ein gesichertes Umsatzplus zeigt sich fast nur bei Unternehmen, die ohnehin wachsen, und dort wird es mit steigendem Wachstum immer größer. Ein gesicherter Renditevorsprung findet sich nur bei knapp einem Fünftel der KI-Nutzer, und zwar bei denen mit Umsatzrenditen ab etwa elf Prozent. Die KfW spricht von einer Spreizung: KI vergrößert derzeit den Abstand zwischen starken und schwachen Unternehmen.

Woran das liegt, kann die Studie nicht sicher sagen. Der Autor vermutet, dass wachsende Unternehmen KI eher für neue Kunden und Märkte einsetzen, schrumpfende eher zum Sparen.

Was die Erfolgreichen anders machen

Die zweite KfW-Auswertung aus dem Juli 2026 liefert einen Hinweis. Rund 20 Prozent der Mittelständler nutzen KI, die meisten für Texte und Texterkennung, und auch Unternehmen mit weniger als fünf Beschäftigten sind darunter. Ob ein Unternehmen KI einsetzt, hängt dabei weniger an seiner Größe als am digitalen Wissen im Team, am Grad der Digitalisierung und daran, ob es generell Neues ausprobiert. Die größte Hürde ist nach Einschätzung der KfW, überhaupt die ersten praxistauglichen Anwendungsfälle zu finden.

Daraus ergibt sich ziemlich klar, wo ein Unternehmen ansetzen kann. Ein Zugang zu einem KI-Werkzeug für alle ist schnell eingerichtet und bringt allein wenig. Es braucht Aufgaben, bei denen KI konkret hilft, ein Team, das damit umgehen kann, und eine Geschäftsführung, die das will und Zeit dafür freigibt. Genau diese drei Punkte nennt auch die KfW, wenn sie beschreibt, was den Einsatz erfolgreich macht. Wie Sie die ersten Aufgaben finden, beschreibt der Beitrag Die ersten drei KI-Anwendungsfälle finden.

Geduld gehört dazu

Ein Satz aus der Studie dürfte vielen Geschäftsführern bekannt vorkommen. Der Nutzen neuer Technik zeigt sich oft erst nach einer Durststrecke. Erst kosten Einführung, Schulung und das Sammeln von Erfahrung Zeit und Geld, und die Zahlen können sogar kurz schlechter werden. Danach geht es aufwärts. Ökonomen nennen das eine J-Kurve, und es gab sie schon beim elektrischen Antrieb in den Fabriken und beim PC.

Die KfW rechnet deshalb damit, dass künftig mehr Unternehmen von KI profitieren, als sich heute messen lässt. Viele haben erst in den letzten zwei Jahren angefangen und stecken noch mitten in der Anlaufphase. Wer gerade dort ist, sollte deshalb früh festlegen, woran er den Erfolg erkennt. Wie das geht, steht im Beitrag Woran Sie merken, dass KI wirkt.

Was die Studie nicht sagt

Sie beweist nicht, dass KI ein Unternehmen erfolgreicher macht. Der Autor schreibt selbst, dass auch die umgekehrte Erklärung möglich ist: Gut geführte Unternehmen führen neue Technik früher ein. Die Bonität herauszurechnen, mildert diesen Einwand, beseitigt ihn aber nicht. Die KfW nennt ihre Ergebnisse ausdrücklich eine Momentaufnahme und will den Zusammenhang mit mehr Daten weiter untersuchen.

Für eine Entscheidung im eigenen Unternehmen reicht der Befund trotzdem. Die Unternehmen, die KI mit Plan einsetzen, stehen heute besser da, und der Abstand zu den übrigen wächst.

Häufige Fragen

Sind Unternehmen mit KI wirklich erfolgreicher?

Im Mittelstand ja, im Durchschnitt. Laut KfW lag die Umsatzrendite eines typischen KI-nutzenden Unternehmens 2024 bei 4,5 Prozent, ohne KI bei 3,6 Prozent. Größe, Branche, Alter, Innovationstätigkeit und Bonität sind dabei herausgerechnet.

Beweist die Studie, dass KI den Erfolg verursacht?

Nein. Der Autor schreibt selbst, dass offen bleibt, ob KI die Unternehmen erfolgreicher macht oder ob erfolgreiche Unternehmen KI häufiger einführen. Die Studie misst einen Zusammenhang, der auch nach Herausrechnen anderer Einflüsse bestehen bleibt.

Wie viele Mittelständler nutzen KI überhaupt?

Rund 20 Prozent nutzen mindestens eine KI-Technologie, am häufigsten zum Erzeugen von Texten (14 Prozent) und zur Texterkennung (10 Prozent). Das ergab eine Auswertung der KfW vom Juli 2026.

Warum merken manche Unternehmen trotz KI noch nichts?

Weil sich der Nutzen oft erst nach einer Anlaufzeit zeigt. Am Anfang kosten Einführung, Schulung und Erfahrung sammeln Zeit und Geld. Die KfW verweist auf diesen J-förmigen Verlauf, den es schon bei früheren Technologien wie dem PC gab.

Quellen

  • KfW Research, Dr. Volker Zimmermann: Mittelständische KI-Nutzer sind erfolgreicher, Fokus Volkswirtschaft Nr. 558, 15.09.2026, Grundlage KfW-Mittelstandspanel 2025: kfw.de
  • KfW Research, Dr. Volker Zimmermann: Künstliche Intelligenz im Mittelstand: einfach zu handhabende Technologien mit breiten Einsatzgebieten überwiegen, Fokus Volkswirtschaft Nr. 554, 29.07.2026: kfw.de

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