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KI einführen

Unabhängig von einem KI-Anbieter: was ein Unternehmen heute dafür tun kann

29.10.2026 · 4 Minuten Lesezeit

Von Thomas Kohns und Anthony Steffan

In vielen Unternehmen läuft die KI über einen einzigen Zugang. Das Team schreibt Angebote mit ChatGPT, die Übersetzungen kommen von einem Dienst, die Auswertung der Tickets hängt an einem bestimmten Modell. Das funktioniert, solange der Anbieter Preis, Bedingungen und Angebot so lässt, wie sie sind. Ob er das tut, entscheiden Sie nicht.

Worum es in der Debatte geht

In der EU wird gerade gestritten, ob Europa eigene Spitzenmodelle braucht. Nach einem Bericht von heise vom 28. September will der KI-Berater der EU-Kommission, Jim Hagemann Snabe, den Schwerpunkt auf die schnelle Anwendung von KI in Industrie und Verwaltung legen, statt den USA und China bei den stärksten Modellen hinterherzulaufen. Ein Maßnahmenpaket soll bis Jahresende kommen, die Strategie Anfang 2027.

Dagegen halten zwei europäische Anbieter. Arthur Mensch, Chef von Mistral AI in Paris, nennt das in einem eigenen Text vom 15. Oktober einen grundlegenden Fehler. Sein Kernsatz: „Whoever controls the model sets the terms“, wer das Modell kontrolliert, bestimmt die Bedingungen. Gemeint sind Preise, Nutzungsregeln und die Frage, welche Fassung eines Modells wann verfügbar ist. Auch offene Modelle aus den USA oder China lösen das aus seiner Sicht nicht, denn wann sie erscheinen und unter welcher Lizenz, bestimmt weiter deren Hersteller.

Jarek Kutylowski, Chef von DeepL in Köln, argumentiert laut heise gegenüber Politico mit dem Geld: Ein wachsender Teil der Ausgaben für Softwareentwicklung fließt in KI-Modelle statt in Gehälter. Fehlen europäische Modelle, wandert dieser Teil der Wertschöpfung ab.

Man muss den Interessen der beiden nicht folgen, um den Punkt zu sehen. Beide verkaufen selbst KI. Die Abhängigkeit, die sie beschreiben, gibt es aber auch im Kleinen, in jedem Unternehmen, das KI nutzt.

Wo Abhängigkeit im Unternehmen entsteht

Fachleute sprechen von Vendor Lock-in, auf Deutsch: Der Wechsel zu einem anderen Anbieter wird so teuer oder mühsam, dass man bleibt, auch wenn es bessere Angebote gibt. Bei KI entsteht das an vier Stellen.

StelleWoran Sie es merkenWas hilft
Das ModellEin Ablauf funktioniert nur mit genau einem ModellModellname an einer Stelle pflegen, eine Testsammlung mit echten Fällen bereithalten
Die DatenGesprächsverläufe, hochgeladene Dokumente und eigene Assistenten liegen nur beim AnbieterWichtige Anweisungen und Wissenssammlungen im eigenen Laufwerk führen, Export regelmäßig prüfen
Der VertragPreis und Bedingungen kann der Anbieter einseitig ändernLaufzeit, Kündigungsfrist und Preisbindung vor dem Abschluss lesen
Das Wissen im TeamAlle kennen nur ein WerkzeugZwei Werkzeuge im Alltag erproben, Anleitungen werkzeugunabhängig schreiben

Die erste Zeile ist die, die am schnellsten teuer wird. Wie Sie Abläufe gegen Preissprünge und abgeschaltete Modelle absichern, steht im Beitrag Einführungspreise bei KI-Modellen.

Was es in Europa gibt

Wer für bestimmte Aufgaben einen Anbieter mit Sitz in der EU sucht, hat heute echte Möglichkeiten.

Mistral AI aus Paris bietet mit Le Chat einen Assistenten für Teams, dazu Modelle über die Schnittstelle und offene Modelle, die Sie auf eigener Hardware betreiben können. Stark ist Mistral beim Auslesen von Dokumenten.

DeepL aus Köln ist der bekannteste europäische Anbieter für Übersetzung. Zum Angebot gehören der Übersetzer, der Schreibassistent DeepL Write, DeepL Voice für Gespräche und Besprechungen, eine Schnittstelle und Erweiterungen für Microsoft 365 und Google Workspace. Laut DeepL nutzen mehr als 200.000 Unternehmen den Dienst. In den bezahlten Tarifen werden Texte laut Anbieter nicht ohne Einwilligung zum Training verwendet; die kostenlose Fassung ist für personenbezogene Daten nicht gedacht.

Beide und weitere Anbieter stehen mit Geschichte und Einordnung im Anbieterverzeichnis. Einen Überblick, welches Werkzeug für welche Aufgabe passt, finden Sie im Lagebild.

Drei Fragen für Ihre nächste Entscheidung

Bevor Sie ein KI-Werkzeug fest einführen oder einen Ablauf darauf bauen, lohnen sich drei Fragen an den Anbieter oder an den Dienstleister, der es für Sie einrichtet:

  1. Wie bekommen wir unsere Daten wieder heraus? Gemeint sind Gesprächsverläufe, eigene Assistenten, hinterlegte Dokumente und Einstellungen, in einem Format, das ein anderes Werkzeug lesen kann.
  2. Was passiert, wenn das Modell abgeschaltet wird oder der Preis steigt? Eine gute Antwort nennt Fristen und einen Weg zum Nachfolger oder zu einem anderen Anbieter.
  3. Wo werden die Daten verarbeitet, und welches Recht gilt für den Anbieter? Der Standort des Rechenzentrums und der Sitz des Unternehmens sind zwei verschiedene Fragen.

Was das für Ihr Unternehmen bedeutet

Unabhängigkeit heißt hier nicht, alles selbst zu betreiben. Es heißt, wählen zu können. Ein Unternehmen, das seine Abläufe so baut, dass das Modell austauschbar ist, das eigene Wissen selbst verwahrt und für vertrauliche Aufgaben eine europäische oder lokale Möglichkeit erprobt hat, kann auf jede Mail eines Anbieters gelassen reagieren. Ob Europa eigene Spitzenmodelle baut, entscheidet die Politik. Ob Ihr Unternehmen wechseln kann, entscheiden Sie bei der nächsten Einführung.

Wenn Sie Ihre bestehenden KI-Werkzeuge einmal auf diese Punkte durchgehen wollen, sprechen wir gern mit Ihnen darüber.

Häufige Fragen

Müssen wir jetzt auf einen europäischen Anbieter umsteigen?

Nein. Für viele Aufgaben sind die Modelle aus den USA heute stark und mit Firmenvertrag datenschutzkonform nutzbar. Wichtig ist, dass ein Wechsel möglich bleibt und dass Sie für vertrauliche Daten eine Möglichkeit haben, die in der EU oder im eigenen Haus läuft.

Ist ein Anbieter mit Rechenzentrum in Frankfurt automatisch souverän?

Der Standort entscheidet, wo die Daten liegen. Wer über das Modell, die Preise und die Bedingungen bestimmt, entscheidet der Sitz des Anbieters. Ein US-Anbieter mit Rechenzentrum in Deutschland bleibt an US-Recht gebunden. Beides gehört in den Vergleich.

Was ist mit offenen Modellen, die wir selbst betreiben?

Sie sind die stärkste Absicherung gegen Preisänderungen und Abschaltungen, weil das Modell bei Ihnen liegt. Dafür brauchen Sie Hardware und jemanden, der sich um Wartung und Updates kümmert. Arthur Mensch von Mistral weist darauf hin, dass auch hier eine Abhängigkeit bleibt: Wann ein neues offenes Modell kommt und unter welcher Lizenz, entscheidet weiter dessen Hersteller.

Wie aufwendig ist es, ein Modell auszutauschen?

Bei gut gebauten Abläufen einen Nachmittag für den Test mit einer kleinen Sammlung echter Fälle. Bei Abläufen, in denen Modellname und Anweisungen quer durch den Programmcode verstreut sind, ein eigenes Projekt. Den Unterschied legen Sie beim Bau fest.

Quellen

  • Arthur Mensch (Mistral AI): Build or surrender, 15.10.2026: linkedin.com
  • heise online: Mistral- und DeepL-Chefs warnen vor KI-Kapitulation Europas, 25.10.2026, mit den Aussagen von Jarek Kutylowski (DeepL) gegenüber Politico: heise.de
  • heise online: Fokus auf Anwendung, EU plant Strategiewechsel bei Künstlicher Intelligenz, 28.09.2026: heise.de
  • DeepL: Datensicherheit bei DeepL: deepl.com
  • DeepL: Über uns: deepl.com

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