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Mensch und Team

Eine Ente zum Selbsttrainieren: was der Microduck über den Einstieg in KI erzählt

31.10.2026 · 5 Minuten Lesezeit · Stand 31.10.2026

Von Thomas Kohns und Anthony Steffan

Eine Ente watschelt über den Küchentisch, setzt sich, steht wieder auf und schnappt mit dem Schnabel nach einem Flaschendeckel. Fällt sie um, rappelt sie sich allein hoch. Das ist der Microduck von Pollen Robotics, und die Frage dahinter ist ernster, als die Ente aussieht: Wie lernen junge Menschen künftig, mit KI zu arbeiten?

Wer dahintersteht

Pollen Robotics ist ein Robotikunternehmen aus Bordeaux und gehört seit 2025 zu Hugging Face, der Plattform, auf der viele offene KI-Modelle veröffentlicht werden. Das erste Gerät für Endkunden war Reachy Mini, ein Tischroboter mit Kopf und Antennen, der vor allem auf Gespräche mit Menschen ausgelegt ist. Mehr als 10.000 Stück davon seien ausgeliefert, schreibt das Team. Der Microduck ist der zweite, und er soll das können, was Reachy Mini fehlt: laufen und greifen. „Microduck is not Reachy Mini with legs“, betont das Team trotzdem.

Am 27. August 2026 hat Pollen die Ente vorgestellt und die Vorbestellung geöffnet. Die ersten Geräte sollen vor Weihnachten bei den Bestellern sein.

Was die Ente kann

Der Microduck ist 25 Zentimeter groß und wiegt unter 800 Gramm. In ihm stecken 15 Motoren für Beine, Hals, Kopf und Schnabel, eine Kamera, Sensoren für Abstand und Lage sowie Mikrofon und Lautsprecher. Der Akku ist ein handelsüblicher Kamera-Akku und hält laut Hersteller etwa eine Stunde.

Ausgeliefert wird er mit einem Gamecontroller und sieben fertigen Bewegungen: gehen, hinsetzen und aufstehen, schießen, greifen, Rollschuh fahren und sich nach einem Sturz aufrichten. Wer will, kann damit spielen, ohne eine Zeile Code zu schreiben.

Interessant wird es eine Ebene tiefer. Jede dieser Bewegungen ist mit Reinforcement Learning entstanden, also durch Versuch und Irrtum mit Belohnung: Eine Software probiert in einer Simulation unzählige Bewegungen aus und behält, was die Ente voranbringt, ohne dass sie umfällt. Erst das fertige Ergebnis wandert auf den echten Roboter. Diese Simulation und das ganze Training gibt Pollen offen heraus. Wer eine neue Bewegung haben will, trainiert sie am eigenen Rechner oder bei Hugging Face und lädt sie auf die Ente. Laut einem Bericht von Interesting Engineering reichen für einen brauchbaren Gang ein bis zwei Stunden auf einer Grafikkarte, mit 4.096 virtuellen Enten, die gleichzeitig üben.

Was unabhängige Medien bisher sagen

Echte Erfahrungsberichte gibt es noch nicht, weil noch niemand eine Ente in der Hand hat. Die Berichte stützen sich auf die Angaben des Herstellers und das Werbevideo, und sie fallen nüchtern aus.

Jan-Keno Janssen von heise sieht die Produkte von Pollen vor allem als Lernwerkzeuge für Hochschulen, Start-ups und Kinderzimmer, mit denen man erste Erfahrungen mit Robotern sammelt. Die Frage, wer den Microduck braucht, lässt er bewusst offen. Als Grenzen nennt er die kurze Akkulaufzeit und das nur einfache Greifen mit dem Schnabel. Er erinnert auch daran, dass Reachy Mini im Test von c't 3003 gut abgeschnitten hat und die Hauptkritik damals war, dass er weder laufen noch greifen kann. Genau dort setzt die Ente an, für rund 100 Euro mehr.

Das Technikportal CNX Software schaut auf das Innenleben: Ein Prozessor aus der Einstiegsklasse mit einem Gigabyte Arbeitsspeicher steuert die Motoren, die Software ist in Rust geschrieben. Der Autor merkt an, dass die Baupläne nicht offen sind. Webseite und Simulator liefen in seinem Browser sehr langsam, und die Anleitung des Simulators setzt eine französische Tastatur voraus. Kleinigkeiten, aber typisch für ein Gerät, das noch nicht ausgeliefert ist.

Warum das mehr ist als ein Spielzeug

Die meisten Menschen lernen KI heute über ein Eingabefeld kennen. Man schreibt eine Frage, es kommt eine Antwort. Wie die Antwort entsteht, bleibt verborgen. Bei der Ente ist das anders: Wer ihr eine neue Bewegung beibringen will, sieht, dass KI trainiert wird und nicht einfach Bescheid weiß. Man legt fest, was als Erfolg zählt, schaut zu, wie tausende Versuche scheitern, und merkt, dass ein Gang in der Simulation noch lange kein Gang auf dem Küchentisch ist. Diese Lücke zwischen Simulation und Wirklichkeit beschäftigt auch die Industrie.

Das ist eine andere Art, KI zu begreifen, und sie hat etwas mit Freiheit zu tun. Wer verstanden hat, wie ein Modell lernt, kann die Grenzen der Technik einschätzen, statt ihr nur als Kunde gegenüberzustehen. Dass die Software offen ist, gehört dazu: Man kann nachlesen, was die Ente tut, statt es glauben zu müssen.

Offen bleibt die Gegenfrage, die man sich stellen sollte. Ein Roboter für über 400 Euro ist kein Lernmittel, das jede Schule und jede Familie anschafft. Und ob die Begeisterung über den ersten Abend hinaus trägt, wird sich erst zeigen, wenn die Enten in den Wohnzimmern stehen.

Was das für Unternehmen und Ausbildung bedeutet

Für den Arbeitsalltag ist der Microduck kein Thema. Für die Nachwuchsarbeit vielleicht schon.

Die nächsten Auszubildenden bringen andere Erfahrungen mit. Wer als Jugendlicher einer Ente das Laufen beigebracht hat, weiß, dass KI Fehler macht und dass man Ergebnisse prüfen muss. Das ist genau die Haltung, die Sie sich bei Kolleginnen und Kollegen im Umgang mit KI wünschen. Fragen Sie im Bewerbungsgespräch ruhig danach, was jemand schon selbst ausprobiert hat.

Ein Lernobjekt für technische Ausbildungsberufe. In der Mechatronik oder der Informatik lässt sich an einem solchen Gerät vieles zeigen, was sonst abstrakt bleibt, vom Zusammenspiel der Sensoren bis zum Trainieren einer KI. Abwarten lohnt sich trotzdem, bis die ersten Tests nach der Auslieferung vorliegen.

Der Einstieg braucht echte Aufgaben. Die Auswertung des IAB zeigt bei Berufseinsteigern in KI-nahen Berufen ein erstes, noch nicht gesichertes Warnsignal. Eine Ente ersetzt keine Einarbeitung. Sie kann aber Neugier wecken, und auf dieser Neugier lässt sich im Unternehmen aufbauen, wenn Sie Ihrem Nachwuchs KI an echten Aufgaben zeigen.

Häufige Fragen

Was kostet der Microduck und wann kommt er?

Pollen Robotics nennt einen Einführungspreis von 399 US-Dollar ohne Steuern und Versand. heise online gibt für die Bestellung nach Deutschland 440,30 Euro einschließlich Versand und Steuern an. Die ersten Geräte sollen laut Hersteller vor Weihnachten 2026 in Nordamerika und Europa ankommen.

Muss man programmieren können?

Nein. Der Roboter wird mit einem Gamecontroller und sieben fertig trainierten Bewegungen geliefert, darunter Gehen, Hinsetzen, Schießen und Wiederaufstehen. Wer mehr will, steuert ihn mit Python oder trainiert neue Bewegungen in einer Simulation.

Ist der Microduck Open Source?

Die Software ja: Steuerung, Simulation und das Training stehen unter der Apache-Lizenz 2.0 auf GitHub. Die Baupläne der Hardware sind nicht offen; Pollen Robotics bittet ausdrücklich darum, den Roboter nicht als offene Hardware zu bezeichnen.

Taugt so ein Roboter für die Ausbildung im Unternehmen?

Als Arbeitsgerät nicht. Als Lernobjekt für Auszubildende in technischen Berufen kann er reizvoll sein, weil sich daran zeigen lässt, wie Programmierung und das Trainieren einer KI zusammenspielen. Ob er sich im Alltag bewährt, zeigen erst die Tests nach der Auslieferung.

Quellen

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