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Recht und Sicherheit

Wasserzeichen in Claude-Texten: was ein Treffer zeigt und was offen bleibt

03.11.2026 · 6 Minuten Lesezeit · Stand 02.11.2026

Von Thomas Kohns und Anthony Steffan

Ein Angebot entsteht mit Claude, jemand im Team feilt noch daran, dann geht es hinaus. Im Text steckt jetzt womöglich ein Muster, das niemand sieht und das nur wenige prüfen können. Damit Sie das richtig einordnen, trennt dieser Beitrag, was die Anbieter sagen, was bisher nur berichtet wird und was daraus für Unternehmen folgt.

Was das Wasserzeichen ist

Ein Sprachmodell wählt Wort für Wort. Oft sind mehrere Wörter gleich gut, und der Zufall entscheidet. Beim Wasserzeichen, also einem unsichtbaren Muster in der Wortwahl, kommt dieser Zufall aus einem Schlüssel. Wer den Schlüssel hat, kann später berechnen, wie gut die Wortfolge dazu passt. Anthropic nutzt dafür eine Variante des Verfahrens SynthID-Text von Google DeepMind.

Versteckte Zeichen gibt es dabei nicht. Das Muster steckt in den Wörtern selbst und wandert deshalb beim Kopieren mit. Leichte Bearbeitung dürfte es laut Anthropic nicht vollständig entfernen, ein vollständiges Umschreiben schon. Zusätzliche Kosten entstehen nach Angaben des Anbieters nicht.

Eine Signatur im technischen Sinn ist das nicht. Signiert sind bei Anthropic die Dateien: Bilder und andere unterstützte Formate tragen Herkunftsangaben nach dem offenen Standard C2PA in ihren Metadaten. Beim Text bleibt es ein statistisches Signal.

Welche Modelle es trägt

Die Hilfeseite von Anthropic führt eine Tabelle, zuletzt geändert am 28. Oktober. Mit Stand 2. November zeigt sie:

ModelleText in Claude-Produkten und APIText bei AWS, Google Cloud, Microsoft Foundry
Fable 5 und 5.1, Mythos 5.1, Opus 4.8, 5 und 5.5, Sonnet 5 und 5.5, Haiku 5.5jaja
Mythos 5, Opus 4.5 bis 4.7, Sonnet 4.5 und 4.6, Haiku 4.5noch nicht ausgewiesennoch nicht ausgewiesen

Für die ältere Gruppe schreibt Anthropic, das Wasserzeichen werde ergänzt, ohne Datum und ohne Reihenfolge. Mehr steht in einer Mail an API-Kunden, über die Medien berichten und die uns nicht vorliegt. Nach The Decoder nennt sie vier Modelle: Mythos 5, Opus 4.7, Opus 4.6 und Sonnet 4.6. Auf Amazon Bedrock könne es einige Tage länger dauern. Den 3. November nennt unter anderem TokenPost; auf den öffentlichen Seiten von Anthropic steht er nicht.

Bei zwei dieser Modelle gibt es laut The Decoder eine Einschränkung: Opus 4.6 und Sonnet 4.6 tragen das Wasserzeichen demnach nur, wenn die Einstellungen für die Zufallsauswahl auf ihren Standardwerten stehen. Für Opus 4.5, Sonnet 4.5 und Haiku 4.5 ist bisher keine Einführung berichtet.

Was ein Treffer aussagt

Anthropic ist hier selbst vorsichtig. Ein Treffer ist ein Hinweis, nach den Worten der Hilfeseite „not fully conclusive“. Er gibt eine Wahrscheinlichkeit dafür an, dass Claude irgendwann beteiligt war. Ob Claude den Text geschrieben oder einen fremden Text stark überarbeitet hat, kann er nicht unterscheiden. Auch die Gedanken im Text können von jemand anderem stammen.

Die Stärke des Signals hängt von der Art des Textes ab:

Umgekehrt beweist ein fehlender Treffer nichts. Der Text kann von einem älteren Modell stammen, zu kurz oder stark bearbeitet sein oder von einem anderen Anbieter kommen, dessen Muster ein anderer Schlüssel erzeugt. Eine Trefferquote nennt Anthropic auf den hier verlinkten Seiten nicht. Einen Anhaltspunkt für die Grenzen der ganzen Technik liefert OpenAI für sein eigenes Verfahren: Laut heise fand der Detektor bei einer Fehlalarmquote von einem Prozent 78,5 Prozent der Psychologietexte mit 200 Token, bei Mathematiktexten gleicher Länge 36,5 Prozent. Auf Claude übertragen lassen sich diese Werte nicht.

Wer prüfen kann

Die Prüfschnittstelle von Anthropic ist in einer geschlossenen Vorschau. Zugang haben nach EU-Recht berechtigte Stellen wie Aufsichtsbehörden, Strafverfolgung, Medien, Faktenprüfer, unabhängige Forschende, Bildungseinrichtungen und zivilgesellschaftliche Gruppen in der EU, dazu Unternehmen, die für ihre eigene Rechtspflicht prüfen müssen. Andere können ihr Interesse anmelden. Anthropic will den Zugang ausweiten und nennt kein Datum.

Das Wasserzeichen verrät laut Anthropic weder Person noch Unternehmen noch Chat. Von außen nachprüfen lässt sich diese Angabe bisher nicht.

Woher die Pflicht kommt

Art. 50 Abs. 2 der KI-Verordnung verpflichtet Anbieter von KI-Systemen, die synthetische Inhalte erzeugen, ihre Ausgaben maschinenlesbar zu kennzeichnen, soweit das technisch möglich ist. Ausgenommen sind unter anderem Systeme, die nur bei der Standardbearbeitung unterstützen. Für Systeme, die vor dem 2. August 2026 in Verkehr gebracht wurden, setzt der Digital Omnibus, Verordnung (EU) 2026/1744, die Frist auf den 2. Dezember 2026. Neue Systeme müssen die Pflicht von Anfang an erfüllen.

Die Pflicht liegt beim Anbieter. Wer Claude im Büro nutzt, muss für das Wasserzeichen nichts tun. Davon getrennt steht die Offenlegung für Betreiber nach Art. 50 Abs. 4: Sie betrifft veröffentlichte Texte, die die Öffentlichkeit über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse informieren sollen, und entfällt, wenn ein Mensch den Text geprüft hat und redaktionell verantwortet. Wer Claude in ein eigenes Produkt einbaut, sollte laut Anthropic selbst prüfen, was Art. 50 dafür verlangt.

Wie andere Anbieter vorgehen

Bei Copilot und Gemini haben wir für diesen Beitrag keine gleichwertigen Anbieterangaben ausgewertet, sie fehlen deshalb hier.

Drei Fragen für Ihr Unternehmen

Was das Wasserzeichen bedeutet, hängt davon ab, wie Sie arbeiten. Diese drei Fragen helfen beim Einordnen.

Haben Sie jemandem zugesagt, dass Texte ohne KI entstehen? Das kann in einem Vertrag, einer Ausschreibung oder einer Selbstauskunft stehen. Eine solche Zusage lässt sich künftig leichter hinterfragen. Offen über den Einsatz von KI zu sprechen, macht Sie unabhängig davon, wer welches Prüfwerkzeug bekommt.

Wie gehen Sie mit einem Treffer um? Legt Ihnen jemand ein Prüfergebnis zu einem Text oder einer Bewerbung vor, ist das ein Anlass für ein Gespräch und kein Beleg. Ein Satz dazu passt in Ihre KI-Richtlinie: Für Inhalt und Richtigkeit bleibt verantwortlich, wer einen Text herausgibt, mit oder ohne KI.

Bauen Sie ein Modell in eigene Abläufe ein? Dann gehört ins Lastenheft, welches Modell läuft, über welche Plattform und mit welchen Einstellungen. Das betrifft die Zufallsparameter bei den älteren Claude-Modellen ebenso wie den Schalter bei Grok, dessen Nutzung eine rechtliche Bestätigung verlangt.

Ab hier ist es eine Position und kein Befund. Die Kennzeichnung halten wir für sinnvoll, und die Zugangsfrage bleibt der wunde Punkt: Wer mit einem markierenden Werkzeug arbeitet, kann seine Texte heute meist nicht selbst prüfen. Für die Vorsicht der Anbieter gibt es Gründe, OpenAI verweist auf Fehlalarme und übersehene Wasserzeichen. Wer anders abwägt, hat damit nicht unrecht.

Häufige Fragen

Kann man mit dem Wasserzeichen nachweisen, dass Claude einen Text geschrieben hat?

Nein. Anthropic beschreibt das Ergebnis als Wahrscheinlichkeit dafür, dass Claude irgendwann beteiligt war. Geschrieben und stark überarbeitet lassen sich damit nicht unterscheiden. Auch eine Übersetzung durch Claude trägt das Muster.

Verrät das Wasserzeichen, wer Claude benutzt hat?

Laut Anthropic nicht. Es enthält keine Angaben, die auf eine Person, eine Organisation oder einen Chat zurückführen. Überprüfen lässt sich das von außen bisher nicht, weil das Prüfverfahren nicht frei zugänglich ist.

Können wir unsere eigenen Texte prüfen?

In der Regel noch nicht. Die Prüfschnittstelle steht zugelassenen Organisationen offen, etwa Behörden, Medien und Forschenden, außerdem Unternehmen, die für ihre eigene Rechtspflicht prüfen müssen. Interesse lässt sich über ein Formular von Anthropic anmelden, ein Datum für die Ausweitung gibt es nicht. Für Dateien wie PNG oder JPEG bietet Anthropic einen frei nutzbaren Prüfer an, dort geht es um signierte Herkunftsangaben.

Müssen wir unsere Angebote und E-Mails jetzt als KI-Text kennzeichnen?

Das Wasserzeichen selbst ändert daran nichts. Art. 50 Abs. 2 richtet sich an die Anbieter der KI-Systeme. Für Betreiber verlangt Art. 50 Abs. 4 eine Offenlegung bei veröffentlichten Texten, die die Öffentlichkeit über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse informieren sollen, sofern kein Mensch sie geprüft und redaktionell verantwortet hat. Im Einzelfall klärt das Ihre Rechtsberatung.

Finden die bekannten KI-Detektoren dieses Wasserzeichen?

Nein. Solche Dienste haben den Schlüssel von Anthropic nicht und suchen nach sprachlichen Auffälligkeiten. Das ist ein anderes Verfahren mit eigenen Fehlern.

Quellen

  • Anthropic: How Claude marks AI-generated content, Hilfeseite mit Modelltabelle, zuletzt geändert am 28.10.2026: support.claude.com
  • Anthropic: How Claude's text watermark works, 14.08.2026, ergänzt am 01.09.2026: anthropic.com
  • Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung), Art. 50: eur-lex.europa.eu
  • Verordnung (EU) 2026/1744 (Digital Omnibus), Frist 2. Dezember 2026 für vor dem 2. August 2026 in Verkehr gebrachte Systeme: eur-lex.europa.eu
  • OpenAI: OpenAI's approach to EU text provenance rules, 05.10.2026: community.openai.com
  • xAI: Output Watermarking, Entwicklerdokumentation: docs.x.ai
  • heise online: OpenAI watermarks AI text, but only in the EU, 06.10.2026: heise.de
  • The Decoder: Anthropic's watermark rollout leaves a loophole on two older Claude models, 31.10.2026, Bericht über die Mail an API-Kunden: the-decoder.com
  • TokenPost: Bericht vom 01.11.2026 zur Ausweitung auf ältere Modelle am 3. November: tokenpost.com

Ihre Meinung

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